Weltausstellungen sind ein transitorisches Phänomen. Wirtschaftspolitische Strukturen und faszinierende Inszenierungen geben ihnen seit Mitte des 19. Jahrhunderts einen ambivalenten Beigeschmack. In ihnen inszeniert sich der welthafte Fortschritt zwischen technischen Kalkül und kirmesartigem Spiel.
Die in christlichen Motiven gründende Weltausstellungsidee ermöglichte der Kirche ein weites Spektrum von Beteiligungs- und Präsentationsmöglichkeiten. Diese wurden im Laufe der Zeit in unterschiedlicher Intensität genutzt. Gleichzeitig musste sich das Christentum als Verkünderin des Evangeliums in den neu gestalteten "Tempeln des Fortschritts" und der umkämpften "Arena der Leistungen" positionieren. In diesen transitorischen Experimenten zeigt sich das kirchliche Engagement in der Spannung zwischen Mitläufer und Gegenspieler.
Die reiche Tradition des Christentums eröffnet für die Beteiligung an zukünftigen Weltausstellungen weiten Spiel- und Gestaltungsraum. Ein neu zu entdeckender prophetischer Stil lässt die Chancen zur Inszenierung alternativ und gegenweltlicher Modelle zunehmen.
Autor:
Dieter W. Haite, OSB, Dr. theol., geb. 1957, studierte kath. Theologie in Paderborn, Münster, Würzburg, Main. 1983 Diplom in Münster. Seit 1979 Benediktiner der Abtei Königsmünster/Meschede. 1984 Priesterweihe in Meschede. Seit 1988 Superior der Cella Sankt Benedikt in Hannover. Supervisor/Coach in eigener Praxis. 1998-2000 Programm-Management im Christus-Pavillon auf der EXPO 2000 in Hannover.
| Autor | Haite, Dieter W. |
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